Die Energiepreisträger 2022

Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger verleiht am 19. Oktober den Bayerischen Energiepreis 2022. Wir gratulieren dem Hauptpreisträger und fünf Kategorie-Preisträgern für herausragende kreative Leistungen für effiziente Energiegewinnung und Nutzung.

Hauptpreisträger

Energieeffizienz in der Produktion

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    BSH-Standort Dillingen erhält Bayerischen Energiepreis

    Dillingen, 20.10.2022 – Der BSH-Standort in Dillingen hat am 19.10. den Energiepreis in der Kategorie Energieeffizienz in industriellen Prozessen und Produktion sowie Energieeffizienznetzwerke erhalten. Durch Innovationen in den Kernprozessen der Metallverarbeitung kann das Werk seinen Erdgas- sowie Stromverbrauch massiv senken.

    Der BSH-Standort in Dillingen ist der größte Arbeitgeber in der Region und einer der größten Standorte der BSH Hausgeräte GmbH weltweit. Über 2.700 Mitarbeitende arbeiten hier in der Entwicklung, Produktion und Auslieferung von jährlich über 2,5 Millionen Geschirrspülern.
    Das Werk zählt zu den modernsten der Welt – bei ressourcenschonenden Geschirrspülern setzt der Standort Maßstäbe: „Bei uns entstehen Innovationen, durch die wir nicht nur unsere Geräte, sondern auch unsere Produktion umweltschonender und nachhaltiger gestalten können. Wir haben die Zukunft immer fest im Blick und fokussieren uns auf unsere Vorreiterrolle in der Branche auch beim Thema Umweltschutz und den Techniken der Industrie 4.0“, erklärt der Standortleiter Claus Köther.

    Eine dieser Innovationen innerhalb der Produktion wurde nun mit dem renommierten Energiepreis geehrt. Unter anderem fertigt das Werk die Metall-Innenbehälter, die das Kernstück der Geschirrspüler bilden. Bei dem bisherigen, korrosionsanfälligeren Schweißverfahren waren immer Passivier- und Waschanlagen nötig. Die Passivierung dient dazu, die Behälter vor Korrosion zu schützen, die beim Vorgang verwendeten Flüssigkeiten müssen dann im Anschluss abgewaschen werden. „Wir nutzen nun eine Laserschweißtechnik und biologisch abbaubare Schmier- und Dichtheitsprüfmittel – dies erübrigt die Passivierung und das Waschen und den damit verbundenen Energie- und Ressourceneinsatz“, führt Projektleiter Aytekin Göksen aus. Die beiden Prozesse stellten bisher zwei der größten Energieverbraucher des Standorts dar. Durch das Entfallen der zwei Arbeitsschritte können nun jährlich mehr als 6,6 Millionen Kilowattstunden Strom und Gas sowie 1.650 Tonnen CO2 eingespart werden.

    Die Preisverleihung fand am 19. Oktober durch den Bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger in München statt.

    Kontakt:
    BSH Hausgeräte GmbH
    Corporate Communications Region Europe
    David Hofer
    Tel.: +49 (0)89 4590-2111
    E-Mail: david.hofer[at]bshg[dot]com

     

Energieerzeugung - Strom, Wärme

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    Projekt „Flexible Biogasnutzung mit höchster Effizienz“

    „Das Bayerische Wirtschaftsministerium verleiht seit 1999 den Bayerischen Energiepreis für die innovativsten Energieprojekte in Bayern. Wir freuen uns daher außerordentlich, dass wir in diesem Jahr für die Entwicklung unserer Reverion-Kraftwerkstechnologie zur flexiblen Biogasnutzung mit höchster Effizienz als Sieger in der Kategorie „Energieerzeugung – Strom, Wärme" ausgezeichnet wurden. Diese Auszeichnung bestätigt uns auf unserem Weg in eine Zukunft mit 100 % erneuerbaren Energien.“ Stephan Herrmann, Geschäftsführer Reverion.

    Reverion-Technologie kann die Stromerzeugung aus der gleichen Menge Biogas durch höhere elektrische Wirkungsgrade verdoppeln. Zusätzlich kann dieselbe Anlage in den Elektrolysemodus wechseln, um grünen Wasserstoff oder Methan aus Strom zu erzeugen. Das synthetische, erneuerbare Erdgas aus Reverion-Anlagen kann über das bestehende Erdgasnetz für Strom, Wärme oder Mobilität genutzt werden. Dabei wird durch die Nutzung der vorhandenen Gasinfrastruktur ein Langzeitspeichereffekt erreicht. Die bestehende Infrastruktur besitzt in Deutschland eine Speicherkapazität von rund 400 TWh, dem 100.000-fachen insgesamt installierter Batteriespeicher. Damit sind diese Anlagen ideal dafür geeignet, sowohl das Stromnetz zu stabilisieren als auch saisonal Energie zu speichern.

    Darüber hinaus wird reines, lagerfähiges CO2 abgetrennt und ermöglicht erstmalig kosteneffiziente, negative CO2-Emissionen. Die Technologie könnte alleine durch die Nutzung des bereits produzierten Biogases die CO2-Emissionen in Bayern um fast 30 % senken.

    Die Technologie besteht aus modular skalierbaren, standardisierten Containereinheiten. Diese sind für Serienfertigung und Plug&Play-Installation entworfen, um vorhandene Gasmotoren einfach ersetzen zu können und eine schnelle Marktdurchdringung zu ermöglichen.

    Reverion

    Als Spin-Off der Technischen Universität München hat Reverion ein revolutionäres containerbasiertes Kraftwerk für Biogas entwickelt und patentiert. Mit einem Gründerteam, das in Summe mehr als 30 Jahre Erfahrung im Energiebereich mitbringt, sowie einem hoch-motivierten Team von mehr als 25 Mitarbeitern, erschließt Reverion neue Optimierungspotenziale im Biogasmarkt und läutet eine neue Ära der hochflexiblen, effizienten und dezentralen Energieversorgung ein.

    Warum Bayern unsere Lösung (dringend) braucht

    Mit der Verschärfung der aktuellen geopolitischen Lage in Europa nimmt die Dringlichkeit der Energiekrise zu. Deutschland deckt 27 % seines Primärenergieverbrauchs mit Erdgas. 95 % dieses Gases wird importiert, und 55 % des importierten Gases kam bislang aus Russland. Das bedeutet, dass 15 % des gesamten Primärenergieverbrauchs in Deutschland von russischem Erdgas abhängen.

    Derzeit könnte die deutsche Biogaskapazität bis maximal 22 % des russischen Gases abdecken. Mit unserer Technologie kann dieser Anteil jedoch ohne zusätzlichen Flächenverbrauch auf 44 % erhöht werden.

    Ansprechpartner:
    Dr.-Ing. Stephan Herrmann
    MD I CEO
     
    Reverion GmbH
    Am Mittelfeld 11
    86922 Eresing
     
    Tel.: +49 172 8769340
    stephan.herrmann[at]reverion[dot]de
    www.reverion.de

     

Energieverteilung und -speicherung

Systemverträgliche Sektorenkopplung -Strom, Wärme, Mobilität

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    WUNsiedler Weg Energie: Weg vom Silodenken, hin zur Sektorenkopplung

    Das Ziel der SWW Wunsiedel GmbH ist klar: eine hundertprozentige Versorgung von Haushalten und Industrie mit regenerativer Energie aus Sonne, Wind, Biomasse und Reststoffen. Dafür unverzichtbar ist eine intelligente Verbindung der Sektoren Strom, Wärme, Mobilität und Industrie sowie von Energieerzeugern und –verbrauchern. Mit dem Projekt „Der WUNsiedler Weg Energie – Kopplung der Sektoren“ hat die SWW den Bayerischen Energiepreis in der Kategorie „Systemverträgliche Sektorenkopplung – Strom, Wärme, Mobilität“ gewonnen.

    „Die Vernetzung ist der einzige Weg, jeden vorhandenen Rohstoff komplett zu nutzen“, sagt SWW-Geschäftsführer Marco Krasser. Und das wiederum sei notwendig, um völlig unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden. Zudem würde die Kopplung der Sektoren für den nötigen Ausgleich zwischen Stromverbrauch und Stromerzeugung sorgen. Darüber hinaus erhöhen die regionalen Wirtschaftskreisläufe die Wertschöpfung in der Region und damit die Akzeptanz in der Bevölkerung.

    Derzeit betreiben beziehungsweise erbauen die SWW und ihre Tochter-Unternehmen zwei elektrische Großspeicher, mehrere kleine elektrische Speicher, Wärmespeicher in verschiedenen Größen inklusive eines Wärme-Großspeichers und ein Pelletwerk. Zudem errichtet die WUN H2 GmbH, an der die SWW beteiligt ist, einen Elektrolyseur zur Herstellung von grünem Wasserstoff, der sich im lokalen Erdgasnetz speichern lässt. Wichtiger Technologiepartner hierfür wie auch für andere Projekte ist die Siemens AG.

    Die Anlage zur Erzeugung von H2 ist exemplarisch für die übergeordneten Ziele im Rahmen des WUNsiedler Wegs: Bei zu großem Angebot an grünem Strom wird dieser für die H2-Produktion verwendet. Hat man zu wenig Strom, etwa bei einer Dunkelflaute, kann der Wasserstoff über Blockheizkraftwerke verbrannt werden. Die dabei entstehende Wärme wird in das örtliche Wärmenetz eingespeist. Überschüssiger Strom beim KWK-Prozess dient zum Beispiel zum Betrieb von Wärmepumpen. Auch die Abwärme des Elektrolyseurs soll verwendet werden, genauso wie der Sauerstoff, der neben dem Wasserstoff erzeugt wird. Insgesamt ergibt sich so ein sehr hoher Wirkungsgrad von etwa 90 % dank einer Sektorenkopplung, die so aktuell nur an wenigen Standorten in Deutschland realisiert ist.

    Letztlich werde ein „Netz der Netze“ über verschiedene Sektoren und Ebenen hinweg geschaffen, erläutert Krasser. „Wir koppeln sowohl die Sektoren in einer Ebene als auch die über die verschiedenen Netzebenen hinweg.“ Hierfür brauche es sektorenspezifische Speichermöglichkeiten und im Endeffekt werde jedes Gebäude und auch jeder Industriebetrieb zum netzdienlichen Kraftwerk.

    Die SWW Wunsiedel GmbH ist eine Tochter der Stadt Wunsiedel. Zu den Geschäftsfeldern gehören die Strom-, Gas-, Wasser- und Wärmeversorgung sowie die Sparte Telekommunikation. Tochterunternehmen sind unter anderem die WUN Bioenergie GmbH und die WUN Pellet GmbH. Zusammen mit der Siemens Financial Services und der Rießner Gase GmbH hat die SWW die WUN H2 GmbH gegründet.

    Adresse:

    Rot-Kreuz-Straße 6, 95632 Wunsiedel

    Ansprechpartner:

    Marco Krasser, Geschäftsführer
    Tel. +49 9232 887-111
    Email c.grosskopf[at]s-w-w[dot]com

     

Gebäude als Energiesystem

  • RAAB Baugesellschaft - Technische Hochschule Nürnberg >> hier klicken <<

    Bayerischer Energiepreis 2022 in der Kategorie „Gebäude als Energiesystem / Gebäudekonzept“

    Projekt: Energiespeicherhäuser Herzo Base -  ein energieflexibles Gebäude– und Energiekonzept von morgen

    Preisträger: RAAB Baugesellschaft GmbH & Co KG aus Ebensfeld (Oberfranken) und Technische Hochschule Nürnberg / Energie Campus Nürnberg

    Das zukunftsweisende Forschungsprojekt überzeugt durch ein innovatives klimaneutrales Gebäude- und Energiekonzept mit regenerativer Energietechnik. Bei der wohngesunden umweltfreundlichen Bauweise kamen hochmoderne Baustoffe zum Einsatz. In Herzogenaurach ist ein Realprojekt mit acht Plusenergiehäusern entstanden, bei denen durch das Zusammenschließen der Käufer zur gemeinsamen Energieerzeugung und -nutzung effiziente Synergieeffekte entstanden sind.

    Dazu sagt Geschäftsführerin Gisela Raab „Die Auszeichnung wird für uns Ansporn sein, uns weiterhin für Nachhaltiges Bauen und Klimaschutz zu engagieren. Dabei sehen wir die Umsetzung sinnstiftender und klimaschonender Wohnprojekte mit Gemeinschaftskonzepten als zielführend.“ Die RAAB Baugesellschaft mbH & Co KG ist ein mittelständischer Familienbetrieb, 1898 gegründet, er wird in vierter und fünfter Generation erfolgreich geführt.

    Den energieeffizienten Ansatz des Bauvorhabens haben Wissenschaftler der Technischen Hochschule Nürnberg (THN) entwickelt und fanden mit der RAAB Baugesellschaft einen zukunftsoffenen Partner für eine gemeinsame hochaktuelle Vision, zur Erstellung klimaneutraler Gebäude. Die Umsetzung erfolgte mit Industriepartnern und dem Architekturbüro Bär Kühhorn aus Nürnberg.

    Die Außenwände wurden aus hochwärmedämmenden Ziegeln hergestellt. Die Ausrüstung der verwendeten POROTON-Ziegel mit dem Hochleistungsdämmstoff CALOSTAT von Evonik wurde im Energie Campus Nürnberg (EnCN) durchgeführt. Dadurch konnten extrem niedrige U-Werte der Gebäudehüllen von 0,13 W/(m²K) erstellt werden. „Wir haben den Ziegel mit der derzeit besten Wärmedämmung der Welt verbaut und konnten die Isolierung im Vergleich zu Ziegeln mit reiner Perlitfüllung um 28 Prozent verbessern“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Krcmar von der Fakultät Werstofftechnik der THN und Vorsitzender der Wissenschaftlichen Leitung es EnCN. Die Außenwandkonstruktionen aller Häuser sind unterschiedlich aufgebaut und werden in Bezug auf ihre Dämmeigenschaften miteinander verglichen.

    Das innovative Energiekonzept beinhaltet eine Systemintegration mehrerer Energieerzeuger, einer PV-Anlage mit 88 kWp mit Ost-West-Ausrichtung, Geothermie mit 2 Sole/Wasser-Wärmepumpen, 7 Tiefenbohrungen sowie thermischen und elektrischen Speichern (39 kWh-Batterien). Eine Passive Kühlung zur Raumtemperierung wurde integriert. Die PV-optimierte und prädiktive Betriebsführung zur Be- und Entladung der Speicher nutzt gezielt die zentralen Speichertechnologien im energetischen Gebäudeverbund. Dies wird durch eine gemeinsame Energiezentrale aller acht Häuser im Keller möglich. Vorausschauende Regelungstechnik, auch unter Einbeziehung von Wetterdaten und -prognosen und eigens entwickelter Software, ermöglichen einen sinnvollen, digital gesteuerten und besonders optimierten Energieeinsatz.

    Im mehrjährigen Monitoring werden die Gebäude energetisch bewertet. Dafür wurden in den Gebäudehüllen und an energetischen Schlüsselstellen eine Vielzahl von Sensoren verbaut, die Messungen physikalischer Kenngrößen im bewohnten Zustand ermöglichen. „Die angestrebten Werte eines Plusenergiehauses sind erreicht und zum Teil übertroffen worden“, sagt Prof. Dr. Arno Dentel, Fakultät Maschinenbau und Versorgungstechnik der THN und Projektpartner im EnCN. „Der Wohnkomplex ist in der Jahresbilanz autark und speist im Jahresverlauf mehr Strom ins Netz ein, als er daraus bezieht. Das zeigt, wie wichtig das Zusammenspiel aus passiver Wärmedämmung und aktiven Energiesparmaßnahmen ist.“ Der wissenschaftliche Teil des Vorhabens wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (Förderkennz. 03ET1364A) unterstützt.

    Die Kosten für die Heizenergie lagen für 2021 bei durchschnittlich 375,00 Euro im Jahr pro Haus mit je 155 m² Wohnfläche. Der Plusenergie-Gebäudekomplex erzeugt über das Jahr mehr Energie, als er verbraucht.
    Die wohngesunden Häuser wurden zu konkurrenzfähigen Preisen auf dem freien Immobilienmarkt verkauft. Das Gebäude ist ein Demonstrationsobjekt für nachhaltiges Bauen und ein Real-Beitrag zur Energiewende.

    Ansprechpartner:

    RAAB Baugesellschaft GmbH & Co KG
    Frankenstraße 7, 96250 Ebensfeld
    Projektmanangement und Vertrieb:
    Dipl.-Ing. Constance Köpke, Tel. 09573 338-39

    und

    Technische Hochschule Nürnberg Georg-Simon-Ohm
    Arbeitsgruppe "Effizienz" im Energie Campus Nürnberg
    Fürther Straße 250, 90429 Nürnberg
    EnCN Building - Energieeffiziente Systeme in der Gebäudetechnik
    Fakultät Maschinenbau und Versorgungstechnik
    Prof. Dr. Arno Dentel,  Tel. 0911 5880-3121